Envisioning the ‘Sharing City’ – neue Fachpublikation

Wird die Sharing Economy als Chance oder Herausforderung für die Gesellschaft verstanden? Mit welchen Strategien nähert sich die öffentliche Hand dem Thema? Diesen Fragen widmen sich Sebastian Vith, Achim Oberg, Markus Höllerer und Renate Meyer in ihrem soeben im Journal of Business Ethics erschienenen Artikel.

Das „Sharing-Paradigma“ stellt ein neues Stadtentwicklungskonzept dar, mit dessen Hilfe zentrale wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen angegangen werden sollen. Der globale Hype, den das Konzept erlebte, erzeugt aber auch neue Herausforderungen für Städte und löste eine Debatte über einen angemessenen Umgang mit dem Phänomen aus. Auffallend ist, dass Städte die „Sharing Economy“ sehr unterschiedlich wahrnehmen und sich daher ihre Reaktionen auf die damit einhergehenden Entwicklungen grundlegend unterscheiden. Diese Studie zielt darauf ab, die durch Stadtverwaltungen wahrgenommenen Chancen und Herausforderungen in Bezug auf die Sharing Economy zu identifizieren, sowie deren Strategien im Umgang mit der Sharing Economy nachzuzeichnen.  

Zu diesem Zweck wurden mit Hilfe einer Vergleichsstudie Strategieberichte und Dokumente zur Sharing Economy von 16 Metropolen untersucht. Die Auswahl der Städte basiert auf dem A.T. Kearney Global Cities Index 2017. Innerhalb der Berichte wurden wahrgenommene Chancen und Herausforderungen sowie Strategien für den richtigen Umgang mit der Sharing Economy analysiert. Die Untersuchung gliedert sich in zwei Schritte: Im ersten Schritt wurden Schlüsselfaktoren herausgearbeitet, die für die Wahrnehmung der Sharing Economy entscheidend sind. Im zweiten Schritt wurde aufbauend auf den Schlüsselfaktoren Unterschiede und Ähnlichkeiten bei den Strategien herausgearbeitet.

Die Forscher waren in der Lage, zwei Schlüsselfaktoren zu identifizieren, welche das Erscheinen von wahrgenommenen Chancen und Herausforderungen erklären. Beide Faktoren haben eine positive und eine negative Ausprägung, wodurch sich vier Dimensionen ergeben. Faktor 1 erfasst öffentliche Herausforderungen, wie beispielsweise den Arbeitnehmerschutz und soziale Sicherung. In der negativen Ausprägung weißt eine Stadt ein hohes Risikobewusstsein für gesellschaftliche Gefährdungen auf (societal endangerment). Bei einer positiven Ausprägung werden öffentliche Chancen, wie die Schaffung neuer Arbeitsplätze betont. Dies kann als Glaube einer Stadt in das gesellschaftliche Entwicklungspotential durch Sharing Economy verstanden werden (societal enhancement).

Faktor 2 erfasst in der negativen Ausprägung Städte, welche neue Geschäftsmodelle und damit einhergehende Marktumbrüche betonen (market disruption). In der positiven Ausprägung werden hingegen vermehrt Chancen für die Umwelt in den Vordergrund gestellt. Dies kann daher als der Glaube einer Stadt in einen, durch die Sharing Economy hervorgerufenen, ökologischen Wandel interpretiert werden (ecologic transition).

In der weiteren Analyse wurde versucht, eine Verbindung zwischen den vier Dimensionen und den Strategien der Städte im Umgang mit der Sharing Economy herzustellen. So steht beispielsweise die Regulierung durch Schaffung neuer Gesetze bei Städten im Vordergrund, welche die Sharing Economy als gesellschaftliche Gefährdung sehen, während Städte, welche der Sharing Economy gesellschaftliches Entwicklungspotential attestieren, eher eigene städtische Sharing-Angebote schaffen. Bei erwarteten Marktumbrüchen suchen Städte meist Orientierung und Vergleich bei anderen, während Städte mit dem Glauben an einen ökologischen Wandel auf Einbindung und Information von BürgerInnen setzen.

Durch die Studie soll die Diskussion über Möglichkeiten des öffentlichen Eingreifens im Zusammenhang mit der Sharing Economy bereichert werden.

Weitere Informationen

Referenz: Vith, S., Oberg, A., Höllerer, M. A., & Meyer, R. E. (2019). Envisioning the ‘Sharing City’: Governance Strategies for the Sharing Economy. Journal of Business Ethics. doi:10.1007/s10551-019-04242-4

Link zum Artikel: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10551-019-04242-4

PDF-Download: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs10551-019-04242-4.pdf

Eine Übersicht der Veröffentlichungen aus dem i-share Forschungsverbund- und Netzwerks finden Sie hier: https://www.i-share-economy.org/veroeffentlichungen.


25.10.19